Seit 2021 läuft die größte Fahrzeugbeschaffung, die das Land Niedersachsen bis dahin getätigt hat. Alstom produziert für 760 Millionen Euro 34 neue elektrische Triebzüge für das Expresskreuz Bremen/Niedersachsen. Hier lesen Sie Infos zu den Besonderheiten der neuen Züge und zu den Lieferverzögerungen des Herstellers Alstom.
Die neuen Züge
Was ist das Besondere an den neuen Doppelstockzügen des Typs Coradia Max?
Fahrgäste sollen von mehr Komfort profitieren: Erstmals in Niedersachsen und Bremen werden Doppelstocktriebzüge stufenfreie Einstiege haben und barrierefrei zu betreten sein. Außerdem hat die LNVG von Alstom verlangt, die leisesten Regionalzüge Deutschlands für uns zu entwickeln.
Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG-Geschäftsführung: „Die geringen Geräusche der Fahrzeuge werden neue Maßstäbe setzen.“
Zu den Vorgaben für den Hersteller gehören unter anderem Bereiche für mobilitätseingeschränkte Menschen, komfortable Sitzabstände, großzügige Mehrzweckbereiche, Mehrgenerationenbereiche und Fahrradbereiche, die je nach Jahreszeit vergrößert oder verkleinert werden können sowie hohe Kapazitäten für Gepäck. Im und am Fahrzeug sind Anzeigen zum aktuellen Besetzungsgrad zu finden. Somit kann eine Reisendenlenkung zu noch freien Plätzen erfolgen. Im Oberstock entsteht mehr nutzbarer Platz für die Fahrgäste, weil die Züge nach neuen europäischen Vorschriften für die Außenmaße gebaut werden, das so genannte Lichtraumprofil DE 3.
Wer wird die neuen Doppelstockzüge instandhalten?
Vom Hersteller der Triebzüge bekommt die LNVG ein Komplettpaket: Alstom baut die Züge und ist gleichzeitig 30 Jahre für deren Instandhaltung verantwortlich. Ebenso muss Alstom über 30 Jahre für Ersatzteile sorgen, selbst, wenn dafür Teile nachgefertigt werden müssen.
In Bremen soll für die Instandhaltung der Fahrzeuge eine neue Werkstatt gebaut werden.
Welche Linien gehören zum Expresskreuz Bremen/Niedersachsen?
Die neuen Züge werden im Expresskreuz Bremen/Niedersachsen rollen. Das Netz umfasst nach der Auslieferung der Züge diese Linien:
- RE 1 (zweistündlich Hannover – Bremen - Oldenburg-Norddeich Mole; bzw. Oldenburg-Wilhelmshaven)
- RE 8 (zweistündlich Bremerhaven-Bremen-Hannover).
Die Linien RE 1 und RE 8 ergänzen sich zwischen Hannover und Bremen zum Stundentakt.
- RE 9 (Bremerhaven-Bremen-Osnabrück).
Sie fährt zwischen Osnabrück und Bremen im Stundentakt und wird zweistündlich nach Bremerhaven verlängert. Hier ergänzt sie sich mit der Linie RE 8 zum Stundentakt.
Ergänzend fahren einzelne Verstärkerleistungen zwischen Hannover und Bremen. Täglich sind im Expresskreuz Bremen/Niedersachsen (EBN) fast 40.000 Fahrgäste unterwegs. Das Netz wird auch weiterhin von DB Regio gefahren.
Lieferverzögerungen durch Hersteller Alstom
Im Oktober 2026 hat Alstom mitgeteilt, dass sich die Auslieferung der Züge erneut verzögern wird.. „Wir bitten alle Fahrgäste für diese sehr belastende Situation um Entschuldigung“, sagt LNVG-Geschäftsführerin Schwabl. „Für den Hersteller wird das sehr teuer werden, aber für die Fahrgäste macht es das jetzt leider nicht besser.“
Stand: 12.10.2026
Welche Auswirkungen gibt es auf den Fahrplan?
Bislang konnte der Fahrplan im EBN ohne Streichungen von Verbindungen mit Ersatzzügen gefahren werden.
Welche Ersatzzüge fahren gerade auf welchen Linien im Expresskreuz?
Die RE1 (Hannover – Norddeich Mole) hat weiter Doppelstockzüge mit dem vollen Platzangebot (800 Plätze).
Auf der RE8 (Hannover – Bremerhaven-Lehe) werden Züge der Baureihe ET 442 eingesetzt. Die Platzzahl variiert zwischen 600 und 646, weil verschiedene Versionen der Züge eingesetzt werden müssen. Die Doppelstockzüge, die dort bislang gefahren sind, hatten 670 Plätze. Wir bedauern sehr, dass wir nicht mehr Plätze und auch kein WLAN anbieten können, das ist aber Folge der Lieferverzögerung.
RE9 (Osnabrück – Bremen – Bremerhaven-Lehe): Ein Teil der Fahrten wird derzeit von DB Regio mit Doppelstockzügen betrieben, die dafür auch zwei Loks von SRI Rail Invest GmbH nutzt. Der andere Teil wird von der Wedler Franz Logistik GmbH und Co. KG (WFL) gefahren, die ihre eigenen Doppelstockzüge einsetzen wird. Die Zahl der Sitzplätze liegt derzeit sind bei 430. Es gibt keine Klimaanlagen.
Warum können nicht einfach die roten Doppelstockzüge weiter auf allen Linien im Expresskreuz Niedersachsen/Bremen fahren?
Die bis Ende 2024 im Expresskreuz Bremen/Niedersachsen eingesetzten roten Doppelstockzüge hatte die DB Regio schon lange vorab für den Einsatz in anderen Netzen in Deutschland verplant. Die LNVG hat seinerzeit versucht, die DB Regio zu bewegen die Bestandsfahrzeuge im Expresskreuz Bremen/Niedersachsen weiter einzusetzen, leider ohne Erfolg. Deshalb mussten Alternativfahrzeuge gefunden werden.
Warum kommen nicht andere Züge mit mehr Kapazitäten im Expresskreuz Bremen/Niedersachsen als die jetzigen Ersatzzüge zum Einsatz?
Der Gebrauchtfahrzeugmarkt gibt aber leider nicht die Menge der fürs Expresskreuz Bremen/Niedersachsen benötigten Fahrzeuge in der gewünschten Qualität (z. B. Klimaanlage und WLAN), mit den erforderlichen Sitzplatzkapazitäten und mit der erforderlichen Leistungsfähigkeit (160 km/h Höchstgeschwindigkeit, damit der Fahrplan gehalten werden kann) her. Es wurden von DB Regio, der LNVG und Alstom nur die heute eingesetzten Fahrzeuge gefunden.
Das Ersatzkonzept stellt deshalb einen Kompromiss dar: Der gesamte Fahrplan kann gefahren werden und es muss keine Fahrt planmäßig ausfallen. Auf einigen Verbindungen stehen jedoch weniger Sitzplätze zur Verfügung.
Gibt es auch im Jahr 2027 ein Ersatzkonzept im Expresskreuz Bremen/Niedersachsen?
Die LNVG hat bereits für 2027 ein weiteres Ersatzkonzept bei DB Regio bestellt und wird das nun auch für das ganze Jahr 2028 tun. Die Ersatzkonzepte werden mit Unterstützung von Alstom und DB Regio umgesetzt. Sobald die jeweiligen Ersatzkonzepte fertig gestellt sind, finden Sie alle Informationen dazu auch auf dieser Projekt-Webseite.
Wird die LNVG Schadenersatz von Alstom fordern?
Erste Vertragsstrafen und Schadenersatzansprüche wurden geltend gemacht. Wir behalten uns weitere rechtliche Schritte vor, falls diese nötig werden sollten.
Weitergehende Auskünfte würden Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Vertragspartner berühren. Aus diesem Grund können keine näheren Angaben zu Einzelheiten dieser Vertragsbestandteile und Forderungen gemacht werden.
Hält die LNVG am Vertrag mit Alstom fest? Warum?
Wenn wir den Vertrag für die neuen Doppelstockzüge kündigen, stehen wir immer noch ohne Züge da. Ausschreibung, Neukonstruktion und Neubau dauern Jahre. Das geht auf keinen Fall bis 2028 – dem Jahr, in dem Alstom die Züge laut aktuellem Stand liefern will.
Wann gab es welche Verzögerung?
Im März 2021 hat die LNVG hat 34 Züge für den Fahrgasteinsatz ab Dezember 2024 bestellt. Dann wurden diese Verzögerungen bekannt:
Dezember 2022
Im Dezember 2022 wurde die erste Verzögerung bekannt. Mit der stellte Alstom nur noch 10 Züge ab Dezember 2024 in Aussicht, alle anderen Züge sollten ab Dezember 2025 einsetzbar sein.
Dezember 2023
Im Dezember 2023 kommunizierte Alstom eine zweite Verzögerung. Nun sollten die ersten 10 Züge im Sommer 2025 einsetzbar sein, die übrigen ab Dezember 2025.
August 2024
Im August 2024 hat uns Alstom von der dritten Verzögerung in Kenntnis gesetzt. Ab Dezember 2025 sollen lediglich bis zu 20 Züge in Einfachtraktion (je 6 Wagen), anstelle der bestellten 34 (Einfach- und Mehrfachtraktion) zur Verfügung stehen. Alle Züge sollen laut Alstom ab Sommer 2026 im Einsatz sein.
November 2024
Im November 2024 informiert Alstom über die 4. Verzögerung. Damit würden erst im März 2026 die ersten sechsteiligen Züge in Einfachtraktion geliefert werden. Gleichzeitig kündigt Alstom an, dass eine weitere Verzögerung bis Mai 2026 nicht ausgeschlossen sei.
Dezember 2025
Dezember 2025: Alstom informiert uns, dass es eine erneute Verzögerung bei der Auslieferung der Fahrzeuge gibt. Der Hersteller kündigt an, alle Züge in 2026 liefern zu wollen. Es ist die 5. Lieferverzögerung.
März 2026
März 2026: Alstom informiert über die sechste Lieferverzögerung. Die Züge sollen im Jahr 2027 ausgeliefert werden.
Oktober 2026
Oktober 2026: Alstom kündigt an, dass die Züge erst 2028 ausgeliefert werden. Die siebte Verzögerung.